Freispruch III

Der letzte Teil für den Freispruch-Hattrick:

Unser Mandant war zusammen mit seinem angeblichen Mittäter angeklagt, einen Raub unter Verwendung eines Messer begangen zu haben. Das stellt einen sogenannten schweren Raub nach § 250 Abs. 2 StGB dar und ist mit Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren bedroht. Es ging für die Angeklagten, die natürlich in U-Haft saßen, also um einiges.

Der angeblich Geschädigte soll von den Mandanten im Görlitzer Park überfallen worden sein. Sie sollen versucht haben, ihm unter Verwendung des Messers sein Handy abzunehmen. Er sei quasi gerade so entkommen und konnte eine der zahlreichen Streifen ansprechen, die um den Görli zu finden sind.

Die Beamten nahmen den „erregten“ Bürger afrikanischer Herkunft mit und fuhren los. Vor dem „Hühnerhaus“ erkannte der Geschädigte die beiden gerade aus dem Park kommenden Angeklagten, die allerdings weder Kampfspuren noch ein Messer noch Marihuana – welches ihm angeboten worden sein soll – dabei hatten.

Es kam trotz dünner Beweislage natürlich zur Anklage.

Es wurden sodann am ersten Verhandlungstag -nachdem der Zeuge nicht erschienen war – sämtliche an der „Aufklärung“ der Tat beteiligten Polizisten vernommen. Es ergab sich eine geglättete Geschichte, die wenig zur Aufklärung des tatsächlichen Sachverhalts beisteuern konnte.

Doch dann kam die überraschende Wende: Der Gutachter, der unseren Mandanten während der Hauptverhandlung hinsichtlich einer etwaig bestehenden verminderten Schuldfähigkeit begutachten sollte, stellte fest, dass er den angeblich Geschädigten selbst schonmal bei einem Verfahren vor dem AG Oranienburg wegen Btm und einer Sexualstraftat begutachtet hatte. Er stellte sein Gutachten zur Verfügung und es ergab sich das Bild eines Patienten, der an einer schweren schizophrenen Störung und unter einer starken Drogensucht leidet, die seine Psychosen erheblich verstärkt.

Genau nach diesem Bild, was man sich von dem Zeugen unschwer machen konnte, gestaltete sich dann auch seine derart inkonsistente und verschrobene Aussage, sodass am Ende sogar die Staatsanwaltschaft Freispruch beantragte. Die U-Haft und den Prozess hätte man den beiden Herren möglicherweise ersparen können.

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